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EASA 2028 und ACI EUROPE: Warum Airport Performance Management auch für Regionalflughäfen wichtig wird
EASA 2028 und ACI EUROPE rücken operative Transparenz in den Fokus. Wie Regionalflughäfen ohne großes IT-Projekt belastbare Turnaround-Daten erfassen.
Benjamin Ritschel, CEO, 3LC Innovations GmbH
Ab dem 27. März 2028 gelten in der Europäischen Union neue Sicherheitsanforderungen für das Ground Handling 3. Gleichzeitig fordert ACI EUROPE einen grundlegenden Wandel im Airport Performance Management: weg von der nachträglichen Betrachtung von Verspätungen, hin zur aktiven Steuerung der Faktoren, die Pünktlichkeit und Leistungsfähigkeit bestimmen 4.
Für Regionalflughäfen ist das eine Herausforderung. Die Anforderungen an Transparenz, Zusammenarbeit und Prozessqualität steigen, die personellen und finanziellen Ressourcen bleiben begrenzt. Wie also machen auch kleine Flughäfen ihre operativen Abläufe transparenter und besser steuerbar, ohne dafür ein großes IT-Projekt aufzusetzen? Die gute Nachricht: Der Einstieg in ein datenbasiertes Performance Management muss weder teuer noch kompliziert sein.
EASA 2028: Was sich im Ground Handling verändert
Mit der Delegierten Verordnung (EU) 2025/20 und der Durchführungsverordnung (EU) 2025/23 schafft die Europäische Union einen neuen Rahmen für die Sicherheit von Bodenabfertigungsdiensten. Die erste stellt Anforderungen an die Organisationen, die diese Dienste erbringen, die zweite regelt die Aufsicht durch die zuständigen Behörden 1,2. Beide gelten grundsätzlich ab dem 27. März 2028. Für einzelne Punkte gelten andere Fristen: Die Anforderungen an die Informationssicherheit greifen erst ab dem 27. März 2031, und ihre Erklärung an die Behörde können die Organisationen schon ab dem 27. März 2027 abgeben 3.
Zu den Kernpunkten gehören diese, nachzulesen in der konsolidierten Fassung der EASA 2.
- Klare Verantwortlichkeiten: Bodenabfertigungsorganisationen regeln Zuständigkeiten, Verfahren und Schnittstellen nachvollziehbar.
- Standardisierte Abläufe: Operative Tätigkeiten beruhen auf definierten Verfahren und geeigneten organisatorischen Voraussetzungen.
- Sicherheitsmanagement: Ein Safety Management System erkennt Gefahren, bewertet Risiken und behandelt Ereignisse und Abweichungen systematisch.
- Koordination: Die Verordnung regelt auch die Koordination der Tätigkeiten im Turnaround. Die Zusammenarbeit zwischen Ground Handlern, Flughafenbetreibern und Airlines gewinnt damit weiter an Bedeutung.
- Nachvollziehbarkeit: Die Umsetzung der Verfahren wird angemessen dokumentiert und ist überprüfbar.
Welche Pflichten konkret gelten, hängt von der Rolle ab. Die Regeln betreffen unabhängige Bodenabfertigungsdienstleister, Airlines, die sich selbst abfertigen, und Flughafenbetreiber, die selbst Ground-Handling-Leistungen erbringen 3. Für einen Flughafenbetreiber kommt es also darauf an, ob er selbst abfertigt.
Die Verordnungen schreiben weder GroundSync noch eine andere bestimmte Software zur Erfassung von Turnaround-Zeiten vor; die EASA beschreibt die Regeln ausdrücklich als technologieneutral 3. Sie erhöhen aber die Bedeutung klar definierter, überprüfbarer operativer Prozesse.
ACI EUROPE: Nicht nur Verspätungen messen, sondern Performance steuern
Im November 2025 veröffentlichte ACI EUROPE zwei richtungsweisende Dokumente: das Airport Performance Position Paper und das Airport Operations Plan (AOP) Guidebook 4. Die zentrale Botschaft: Flughäfen sollen ihre Performance nicht erst bewerten, wenn ein Flug verspätet abgeflogen ist. Statt auf nachlaufende Kennzahlen wie Verspätungen und On-Time Performance zu schauen, sollen sie die vorlaufenden Faktoren steuern: die Belegung von Stands und Gates, die Einsatzbereitschaft von Gerät, die Ressourcenplanung und die Zuverlässigkeit der Prozesse. Den Turnaround nennt ACI EUROPE dabei ausdrücklich. Wirksames Performance Management braucht einen klaren operativen Überblick, gerade darüber, wie der Flugplan über die Turnaround-Prozesse eingehalten wird 4.
Das Guidebook beschreibt dafür vier zusammenhängende Services 5.
- Steer: Ziele setzen. Welche Prozesszeiten, Qualitätsstandards und Kennzahlen sollen erreicht werden? Die Partner am Flughafen legen sie gemeinsam fest.
- Monitor: Leistung überwachen. Was passiert gerade, gemessen an diesen Zielen, und wo zeichnen sich Abweichungen ab? Alle Beteiligten teilen dasselbe Lagebild in Echtzeit.
- Manage: Auf Abweichungen reagieren. Welche Maßnahmen braucht es, wenn ein Ablauf nicht wie geplant verläuft? Die Beteiligten entscheiden gemeinsam.
- Post-Operations Analysis: Aus Daten lernen. Wo liegen die Ursachen wiederkehrender Abweichungen, und wo lassen sich die Abläufe verbessern?
Verpflichtend ist ein AOP bislang für 31 europäische Flughäfen, nach der Verordnung zum Common Project 1. ACI EUROPE hält es aber für jeden Flughafen für relevant, unabhängig von seiner Größe: Ein AOP hilft, Ressourcen effizient einzusetzen, und das ist gerade für kleinere Flughäfen mit begrenztem Personal und Gerät entscheidend 5. Der Gedanke dahinter gilt also auch für kleine Standorte: Wer seine Prozesse verbessern will, muss zuerst wissen, was tatsächlich passiert.
Das Problem vieler Regionalflughäfen: Die entscheidenden Daten fehlen
An großen Flughäfen gibt es häufig umfangreiche Systemlandschaften für Planung, Steuerung und Analyse. An kleineren Flughäfen sieht die Realität oft anders aus. Turnaround-Zeiten werden über Funk gemeldet, in Listen eingetragen oder nachträglich dokumentiert. Einzelne Meilensteine stehen in der AODB, doch die Abläufe zwischen On-Block und Off-Block bleiben häufig unvollständig erfasst.
Wann begann das Deboarding? Wann war die Beladung abgeschlossen? Wie lange dauerte die Betankung? Welcher Prozess hat den Off-Block verzögert? Ohne diese Informationen lässt sich eine Verspätung zwar feststellen, ihre operative Ursache aber bleibt oft unklar. Das erschwert die Zusammenarbeit mit Airlines und Ground Handlern ebenso wie die Bewertung von Service Level Agreements und die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse. Welche Wege es gibt, diese Zeiten zu erfassen, vergleicht unser Artikel Turnaround-Zeiten erfassen.
GroundSync: Operative Transparenz ohne großes IT-Projekt
Genau hier setzt GroundSync an. Auf der Plattform erfassen, überwachen und analysieren Airport, Airline und Ground Handler ihre Turnarounds gemeinsam. Die Mitarbeitenden auf dem Vorfeld bestätigen jeden Prozessschritt mit einem Tipp in der mobilen App. Jede Bestätigung trägt die Gerätezeit und den Standort. So entstehen verifizierte & bestätigte Zeitstempel, die sofort für die Überwachung und später für die Auswertung bereitstehen. Sichtbar wird, welche Prozesse nach Plan laufen, wo Abweichungen entstehen und welche Schritte den Turnaround beeinflussen.
Dabei unterstützt GroundSync vier Aufgaben:
- Prozesse standardisieren. Turnaround-Abläufe werden zu Vorlagen mit Meilensteinen, Abhängigkeiten und Sollzeiten. Jeder Prozess hat einen verantwortlichen Partner und ein Toleranzbudget.
- Prozesse in Echtzeit überwachen. Die Live Sequence zeigt jeden Turnaround als Zeitleiste, deren Balken sich live einfärben. Das Live-Dashboard zeigt die On-Time Performance mit einem Gesamtstatus in Grün, Gelb oder Rot, so wie das AOP Guidebook die Überwachung beschreibt 5.
- Leistungen nachvollziehbar dokumentieren. Bestätigte Zeitstempel sind eine gemeinsame Datengrundlage für Airport, Airline und Ground Handler, und jeder Partner sieht, was mit ihm geteilt wird, Prozess für Prozess. Leistungen wie Bodenstrom (GPU), Enteisung oder PRM werden pro Turnaround mit Menge und Dauer erfasst.
- Performance systematisch verbessern. Reports machen Prozesszeiten, Verzögerungen und wiederkehrende Abweichungen auswertbar, bis hin zu den IATA Delay Codes, und ein täglicher Overrun-Report kommt jeden Morgen per E-Mail. Das ist die Grundlage für operative Verbesserungen und für Gespräche über die Leistungsqualität.
GroundSync ersetzt weder ein vollständiges AOP noch ein Safety Management System. Die Plattform liefert aber einen wichtigen Teil der operativen Daten, die datenbasiertes Performance Management braucht.
Aus der Praxis: GroundSync am Flughafen Saarbrücken
Dass dieser Ansatz auch für kleinere Flughäfen passt, zeigt der Flughafen Saarbrücken. Dort ist GroundSync seit September 2026 im regulären Flugbetrieb im Einsatz. Die Turnaround-Prozesse werden digital erfasst, die Zeitstempel stehen für die operative Auswertung bereit. Die Einführung dauerte wenige Wochen und kam ohne aufwendige Integration in die bestehende IT-Landschaft aus.
Das Beispiel zeigt: Ein Regionalflughafen muss nicht erst ein umfangreiches Digitalisierungsprogramm starten, um seine Turnaround-Daten systematisch zu erfassen. Er kann mit ausgewählten Prozessen beginnen und den Einsatz Schritt für Schritt erweitern.
Klein anfangen. Messen. Dann entscheiden.
Für kleine und mittelgroße Flughäfen bietet sich ein pragmatischer Einstieg in fünf Schritten an:
- Testcase: An einem Standort werden ausgewählte Turnarounds und Prozessschritte digital erfasst.
- Pilot: Über mehrere Wochen entsteht eine belastbare Datenbasis zu Prozesszeiten und Abweichungen.
- Gemeinsame Auswertung: Airport und Partner bewerten zusammen, wo sich Transparenz und Prozessqualität verbessern lassen.
- Erweiterung: Weitere Airlines, Ground Handler, Prozessketten oder Leistungen kommen hinzu.
- Regelbetrieb: Die laufende Messung wird fester Bestandteil des operativen Performance Managements.
Mit GroundSync ist die Einrichtung in der Regel in zwei Wochen erledigt. Danach folgt ein kostenloser Pilotmonat an Ihrem Standort, ohne Anfangsinvestition. So bewerten Sie den Nutzen anhand Ihrer eigenen operativen Daten, bevor Sie über eine breitere Einführung entscheiden.
Fazit: Airport Performance Management beginnt mit belastbaren Daten
Die neuen Anforderungen der EASA und die Empfehlungen von ACI EUROPE verfolgen unterschiedliche Ziele. Gemeinsam unterstreichen sie, wie wichtig klare Prozesse, verlässliche Informationen und eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten am Flughafen sind. Regionalflughäfen brauchen dafür Lösungen, die zu ihren Ressourcen passen.
Nicht jedes Performance-Projekt muss mit einer neuen Systemlandschaft beginnen. Oft ist der wichtigste erste Schritt, die tatsächlichen Abläufe am Flugzeug sichtbar zu machen. Genau diesen Einstieg macht GroundSync möglich: schnell, pragmatisch und auf Basis realer Turnaround-Daten.
Quellen
- 1.Europäische Kommission, Delegierte Verordnung (EU) 2025/20 zu Bodenabfertigungsdiensten und den Organisationen, die sie erbringen (Amtsblatt der EU, März 2025). https://eur-lex.europa.eu/eli/reg_del/2025/20/oj
- 2.EASA, Easy Access Rules for Ground Handling, Verordnungen (EU) 2025/20 und 2025/23 (November 2025). https://www.easa.europa.eu/en/document-library/easy-access-rules/online-publications/easy-access-rules-ground-handling
- 3.EASA, EU Ground Handling Regulations: First steps towards implementation, Webinar (Juni 2025). https://www.easa.europa.eu/en/downloads/142088/en
- 4.ACI EUROPE, Airports lead a new era of performance management with the passenger at the core, Pressemitteilung (November 2025). https://www.aci-europe.org/media-room/571-airports-lead-a-new-era-of-performance-management-with-the-passenger-at-the-core.html
- 5.ACI EUROPE, Airport Operations Plan: A Guidebook (November 2025). https://aci-europe.org/component/attachments/attachments.html?id=3663